Auf gute Nachbarschaft im Gemüsebeet

Im letzten Blog-Artikel habe ich euch gezeigt, wie ihr bei der Auswahl von Sorten und Anzuchtzeitpunkten den Überblick behaltet. Im nächsten Schritt geht es darum, das Gemüse im Garten so anzupflanzen, damit wir uns über das ganze Jahr über von unserer abwechslungsreichen Ernte selbstversorgen können. Das geht ohne Anbauplan nicht. Doch zuvor möchte ich noch über das wichtige Thema Mischkultur schreiben. Denn der ökologische Nutzen von Pflanzen, die sich gegenseitig im Wachstum unterstützen und darüber hinaus Schädlinge abwehren, ist für mich sehr faszinierend.

JEDER GARTEN HAT SEINE EIGENE, BESONDERE SEELE.

Unser Garten ist wild, und besitzt von Natur aus eine wunderschöne Natürlichkeit. Und diese Natürlichkeit möchte ich auch auf unsere freien Gemüsebeete umlegen. Als Vorbild dient mir hierfür die Natur – sie zeigt eine vielfältige Gemeinschaft von Pflanzen. Stellt euch einen Wald vor – wo alle Pflanzen miteinander und voneinander leben; jede Pflanzengemeinschaft in Wechselwirkung mit ihrer Umwelt steht; keine Monokulturen anzutreffen sind; und der Boden bedeckt oder bewachsen ist. Wir können auf diese Vorgänge, die in der Natur sichtbar sind, zurückgreifen und in den eigenen Garten übertragen. Die Pflanzen stelle ich so zusammen, dass sich die Nachbarschaft für die jeweiligen Partnerpflanzen positiv auswirken. Somit kann jede Pflanze ihre Nachbarpflanze schützen und sie vor Schädlingen und Krankheiten abwehren; doch auch Licht und Schatten sollen so verteilt sein, wie es die einzelnen Kulturen brauchen. Es basiert ganz im Gleichgewicht von Nehmen, Leben, Geben – oberflächig durch Duftstoffe, und unterirdisch durch Wurzelausscheidungen und durch unterschiedliche Nährstoffbeanspruchung einzelner Pflanzen.

Im Mischkulturgarten können so Kulturen gleichmäßig und gesund aufwachsen – und hat sich der Garten einmal eingespielt, wird vieles einfacher. Ihr werdet sehen der Erfolg in einem Mischkulturgarten ist verblüffend und kann euch Ärger im Gartenjahr ersparen.

Hier möchte ich euch bewährte Mischkulturen, die in sich abgestimmt sind, noch genauer vorstellen.

Mischkultur-Tipps plus Saatguttüten zum Download

Paradeiser, Kohl und Sellerie
Sellerie wird zur Abwehr der Kohlweißlinge aller Kohl- (Karfiol, Grünkohl, Palmkohl, Kohlsprossen) und Krautarten (Weißkraut, Rotkraut) gesetzt. Gerade bei Spätkohlarten kann die Knollensellerie nicht immer groß heranwachsen. Doch wir brauchen sie als Schutz und haben so das ganze Jahr über grüne Sellerieblätter für die Küche. Auch die Paradeiser ist eine ausgezeichnete Abwehrpflanze. Paradeiser halten die Kohlweißlinge fern und schützen den Sellerie vor Sellerierost. So könnt ihr zwischen Paradeiserstauden auch Rettich und Kohlrabi – aus der Familie der Kreuzblütler und enge Verwandte von Kohl – setzen.

Zwiebeln, Lauch und Karotten (od. Pastinaken)
Unentbehrlich sind Zwiebelpflanzen im Garten. Es ist bekannt, dass Karotten und Zwiebeln eine fast klassische Mischkultur mit gegenseitiger Abwehr von Karotten- und Zwiebelfliege sind.

Zwiebelgewächse (Lauch, Knoblauch) und Erdbeeren
Beide leben in einer Art Symbiose mit hervorragender Wirkung. Erdbeeren werden nicht von Nematoden befallen, wenn Zwiebelpflanzen wie Lauch oder Knoblauch in der Nähe stehen. Zur Ernte des Lauchs dient ein schmales Gerät. So kann der Lauch über dem Wurzelboden abgeschnitten werden. Die Wurzel bleibt neben den Erdbeerwurzeln im Boden und verrottet dort.

Mais, Kürbis und Stangenbohnen – die drei Schwestern
Die älteste Mischkultur aus Mais, Bohnen und Kürbis – Milpa genannt – wurde bereits von den Maya und ihren Nachfahren seit Jahrhunderten betrieben wird. Die drei Sorten bilden als Mischkultur eine traumhafte Symbiose. Daher werden sie auch als “die drei Schwestern” bezeichnet.  Mais  dient als Rankhilfe für die Bohnen, Die Bohnen versorgen die Maispflanzen und den Kürbis über ihre Wurzeln mit Stickstoff und verbessern so den Boden. Der Kürbis als Bodendecker, hält mit seinen großen Blättern die Feuchtigkeit in der Erde.

Salat, Radieschen, Rettich
Kopfsalat oder Blattsalat schützt die Radieschen oder den Rettich vor Erdflohbefall.

UNSERE GÄRTEN IN VIELFÄLTIGER SCHÖNHEIT WERDEN DURCH FARBENPRACHT UND DÜFTE ZUR QUELLE DER FREUDE.

Anbau von Heil- und Küchenkräutern im Mischkulturgarten

Kräuter können ebenso wie Gemüse eine gesundheitsfördernde Nachbarschaft sein, sie unterstützen. Kräuter können vor Schädlingen schützen und Krankheiten eindämmen. Einjährige Kräuter werden als gebende, schützende und heilende Mitsaat in das Beet oder in die Pflanzenreihen eingefügt.

Dill
Dill kann alle Nachbarpflanzen gesund halten. Dill sollte mit Karotten mitgesät werden. Dann werden die Reihen geschlossen aufgehen und sich gleichmäßig entwickeln. Das gilt auch für seine Mitsaat bei Gurken, allen Kohlarten, Kraut, Roten Rüben und Zwiebeln. Dill liebe ich in der Küche. Die Pflanze kann in jeder Form verwendet werden – die ganze Pflanze einschließlich Wurzel, Stängel und Samen.

Kerbel
Kerbel schützt den Salat vor Läusen, Mehltau, Schnecken und hält ihn lange zart. Der etwas kräftige Geruch vertreibt auch die Ameisen.

Bohnenkraut
Auch das Bohnenkraut braucht keinen eigenen Platz, sondern wird in die Mischkultur eingeführt. Bohnenkraut und Bohnen sind eine gute Kombination. Das Kraut vertreibt Läuse und die Schwarze Bohnenlaus. Die Wurzel des Bohnenkrauts bleibt nach der Ernte im Boden. Die Inhaltsstoffe kommen bei der Verrottung dem Boden zugute.

Basilikum
Basilikum, die Königin der Gewürze, findet seinen Platz bei später ausbringenden Kulturen – Gurken, Zucchini, Fenchel. Gurken bekommen keine Mehltau und tragen reich.

Borretsch
Borretsch lockt mit seinen vielen Blüten Bienen und unzählige Insekten an. Davon profitiert die Gurke sehr. Borretsch erweist sich als außerordentlich schädlingsabwehrend bei Kohlrabi und bei allen anderen Kohlpflanzen. Außerdem halten die haarigen Blätter Schnecken fern.

Ringelblume und Targetes
Tagetes (Studentenblume) und Ringelblumen haben einen großen Wurzelwert. Sie schützen vor bestimmten Arten von Nematoden. Sie schützen Erdbeeren und sind eine perfekte Untersaat bei Paradeisern.

Der Anbau in Mischkultur ist natürlich keine Garantie dafür,  dass ihr keine Schädlinge oder Krankheiten im Gemüsebeet habt. Doch der Anbau von Gemüse in Mischkultur ist ein gutes Beispiel für eine nachhaltige, ressourcenschonende Gartennutzung. Darüberhinaus wird ein Garten in Mischkultur durch Farbenpracht und Düften zur Quelle der Freude.

Saatguttüten zum Download
Ich habe für unser selbst gezogenes Saatgut hübsche Saatguttüten gestaltet – zum Ausdrucken, Ausschneiden und Zusammenkleben. Die Tüten (in zwei unterschiedlich großen Formaten) möchte ich mit euch teilen, denn sie sind perfekt für die Aufbewahrung von Saatgut, welches ihr selbst gezogen habt. Auf der Rückseite findet ihr einzelne Mischkultur-Tipps und Platz für eure eigene Notizen.

DOWNLOAD

Hier kannst du dir die Saatguttüten als PDF-Datei herunterladen.

Saatguttüten zum Download

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